Weg vom frühen Schongang bei älteren Mitarbeitern (4). – Ein Kommentar von Helmut Muthers (Babyboomer) in BZ-Nachrichten

„In 15 Jahren erwirtschaftet ein 50-jähriger Ingenieur den drei- bis fünffachen Betrag eines 25-Jährigen.“ So Otmar Fahrion, der mit seiner Firma ein wunderbares Beispiel abgibt. Sein Sohn Jens Fahrion stellt am liebsten Mitarbeiter über 50 ein. So wie sein Vater Otmar schon vor ihm. Die Älteren hatten den Familienbetrieb mit ihrer Erfahrung schon einmal vor dem Ruin gerettet. Jens erinnert sich noch, wie schweigsam sein Vater war, damals, als auf einen Schlag so viele Ingenieure den Betrieb verließen. Er wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Eine schwere Zeit, aber die Lösung des Problems lag näher, als man zunächst dachte. Das Unternehmen Fahrion Engineering ist in Kornwestheim zu Hause. Ein Ingenieurbetrieb, in dem Produktionsanlagen bis hin zu kompletten Fabriken für Autokonzerne, Zulieferer, Luft-fahrtunternehmen oder Werften geplant werden.

Heute sind die Auftragsbücher voll. Im Jahr 2000 sah das noch anders aus. Damals gingen auf einen Schlag sechs Projektleiter. Zehn Jahre lang waren sie ausgebildet worden, rund 250.000 Euro war in jeden investiert worden, bis er die Aufgaben bewältigen und eine ganze Fabrik planen konnte. Damals rissen sich die Firmen im Großraum Stuttgart um Jungingeni-eure. Konkurrenten wie Daimler oder Porsche, Bosch oder Würth konnten dem Nachwuchs mehr Aufstiegschancen bieten. Otmar Fahrion suchte lange vergeblich nach Ersatz.

Die Idee: Gebraucht wurden erfahrene Mitarbeiter, warum also nicht bei den Älteren suchen? Otmar Fahrion schrieb eine Anzeige: „Mit 45 zu alt – mit 55 überflüssig? Wir suchen Ingenieure, Techniker und Meister bis 65.“

522 Bewerbungen gingen ein, darunter welche von hoch qualifizierten Ingenieuren, die meisten von ihnen 50Plus. Statt der geplanten vier wurden zwölf eingestellt. Am meisten überzeugt hat diese Einstellungspolitik, als für ein Projekt ein erfahrener Experte für Tiefziehprozesse gebraucht wurde. Nur ein 65-jähriger Bewerber, der diese Tätigkeit während seiner gesamten Karriere ausgeführt hatte, bot sich an. Ohne ihn hätte das Projekt nicht angenom-men werden können, ein großer Kunde wäre verloren gewesen.

Ein Beispiel, das für viele Mitarbeiter steht, die von anderen Betrieben in diesem Alter gern in den Ruhestand geschickt werden. „Ältere brauchen zwei bis drei Jahre, um selbstständig, ohne einen Mentor, eine Fabrik zu planen. Ein Studienabgänger braucht zwölf bis fünfzehn Jahre“, sagt Jens Fahrion. Die Nachteile älterer Kollegen werden auch nicht verschwiegen: „Wir brauchen auch immer junge Leute, die sich mit den neuen Technologien auskennen. Ein 50-jähriger Konstrukteur lernt einfach keine Computersimulation mehr.“

Autor Helmut Muthers

Seit mehr als 17 Jahren fokussiert sich Helmut Muthers auf die Chancen der gesellschaftlichen Alterung und den Unternehmenserfolg bei älteren Kunden und Mitarbeitern. Er gehört zur älteren Generation und kennt die Folgen der demografischen Veränderungen aus exakt dieser Perspektive.

Mit mehr als 1.600 Auftritten gehört Helmut Muthers zu den gefragtesten Rednern mit Themen wie „Sie brauchen keine neuen Kunden. Nehmen Sie die Alten.“ und „Die Mitarbeiter werden grau! Na und? Abschied vom Jugendwahn in der Personalpolitik.“

Helmut Muthers ist Betriebswirt, war Bankvorstand und Sanierer mittelständischer Banken. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT für Strategisches Chancen-Management. Er ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz des Bundesverbandes Initiative 50Plus e.V. und Expert-Member des Club 55 (europäische Gemeinschaft von Marketing- und Verkaufsexperten).

Helmut Muthers ist Autor, Mitautor und Herausgeber von 24 Fach- und Hörbüchern, unter anderem „Ab 50 ist man alt… genug, um zu wissen, was man kann und will“, „30 Minuten Marketing 50+“, „Wettlauf um die Alten“.

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