Weiterbildung älterer Mitarbeiter (1). – Ein Kommentar von Helmut Muthers (Babyboomer) in BZ-Nachrichten

Im Zusammenhang mit der Weiterbildung älterer Mitarbeiter in Unternehmen gibt es eine höchst interessante Studie der Commerzbank (Mai 2015), für die 4.000 Mittelständler befragt wurden.

Ein zentrales Ergebnis: Nur sieben Prozent der Unternehmen boten Weiterbildung für Ältere an und viele sind nur unzureichend auf ihre alternden Belegschaften vorbereitet. Fast 80 Prozent der Befragten fordern den Abschied vom Jugendkult, aber auch eine größere Bereitschaft der Mitarbeiter, bis ins höhere Alter zu arbeiten und zu lernen.

Dies steht allerdings in auffallendem Widerspruch zur beobachtbaren Praxis, denn Unternehmen setzen noch immer einseitig auf die Qualifikation der Jungen, selten auf Perspektiven für Ältere. Der Studie zufolge reagieren 85 Prozent der Unternehmen auf die Alterung reflexartig mit einer Weiterbildung der jungen Belegschaft. Nur 44 Prozent sahen die Notwendigkeit, auch ältere Mitarbeiter weiter zu qualifizieren.

Laufbahn- und Karrieremodelle für die über 50-Jährigen boten nur elf Prozent der Unternehmen. Wieder wird deutlich, wie das offensichtlich vorherrschende Altersbild vieler Führungskräfte die Zukunftschancen und Möglichkeiten der Unternehmen beeinträchtigt. Es wird höchste Zeit, zu verstehen, dass Mitarbeiter, die ihren 50. oder 60. Geburtstag feiern, an diesem Tag nicht automatisch ihre Lernfähigkeit und ihren Lernwillen verlieren.

Das kalendarische Alter ist nicht das Problem. Oft werden die gleichen Mitarbeiter im Betrieb als alt abgestempelt und von Weiterbildungsmaßnahmen ausgesperrt, die nach ihrer Pensionierung in anderen Aufgaben zur Höchstform auflaufen. Von diesen Mitarbeitern aktuelles Wissen, Engagement und Höchstleistungen zu erwarten, ist naiv, respektlos, unangemessen und auch betriebswirtschaftlich unklug.

55-Jährige können noch mindestens zehn Jahre im Unternehmen sein und hochmotiviert zum Erfolg beitragen. Hier sollten die Firmen ansetzen, wenn sie ihre demografischen Probleme lösen wollen.

Teil 2 folgt am 1. Mai 2019

Autor Helmut Muthers

Seit mehr als 17 Jahren fokussiert sich Helmut Muthers auf die Chancen der gesellschaftlichen Alterung und den Unternehmenserfolg bei älteren Kunden und Mitarbeitern. Er gehört zur älteren Generation und kennt die Folgen der demografischen Veränderungen aus exakt dieser Perspektive.

Mit mehr als 1.600 Auftritten gehört Helmut Muthers zu den gefragtesten Rednern mit Themen wie „Sie brauchen keine neuen Kunden. Nehmen Sie die Alten.“ und „Die Mitarbeiter werden grau! Na und? Abschied vom Jugendwahn in der Personalpolitik.“

Helmut Muthers ist Betriebswirt, war Bankvorstand und Sanierer mittelständischer Banken. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT für Strategisches Chancen-Management. Er ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz des Bundesverbandes Initiative 50Plus e.V. und Expert-Member des Club 55 (europäische Gemeinschaft von Marketing- und Verkaufsexperten).

Helmut Muthers ist Autor, Mitautor und Herausgeber von 24 Fach- und Hörbüchern, unter anderem „Ab 50 ist man alt… genug, um zu wissen, was man kann und will“, „30 Minuten Marketing 50+“, „Wettlauf um die Alten“.

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