Weiterbildung älterer Mitarbeiter (2). – Ein Kommentar von Helmut Muthers (Babyboomer) in BZ-Nachrichten

Ältere Menschen lernen nicht weniger, sondern anders als ihre jüngeren Kollegen. Während die Jüngeren unbefangener mit modernen Lehrmethoden umgehen, stehen Ältere eher dem individuellen Lernen nahe. Der Nachholbedarf an Weiterbildung für ältere Mitarbeiter ist sicher groß, aber es lohnt sich für alle Beteiligten, hier zu investieren.

Noch vor wenigen Jahren ging man davon aus, dass das menschliche Gehirn im Lauf der Lebenszeit abbaut. Inzwischen ist es gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis, dass das Gehirn auch im höheren Alter neue Verknüpfungen bilden kann, wenn man es entsprechend benutzt.

„Wenn man sein Hirn als Kind nur zum Fernsehen benutzt, dann bekommt man ein Gehirn, mit dem man richtig gut fernsehen kann“, sagt Professor Dr. Gerald Hüther.

Die Frage des geistigen Horizonts und der Leistungsfähigkeit im Alter hängt direkt damit zusammen, welchen Anforderungen und Herausforderungen man sich stellt. Professor Hüther erzählt gerne das Beispiel eines 85-Jährigen, der Chinesisch lernen möchte. Wo und wie wird er es leichter lernen – in einem Volkshochschulkurs oder wenn er sich in eine junge, hübsche Chinesin von 75 Jahren verliebt und mit ihr in ein kleines chinesisches Dorf zieht? Dort wird er in sechs Monaten die Sprache gelernt haben. Lernen ist kein Hirnproblem, sondern ein Begeisterungsproblem – in jedem Alter. Das bestätigt auch der Hirnforscher Professor Dr. Martin Korte: Wer daran gewöhnt ist, immer wieder Neues zu lernen, hat keine großen Leistungseinbußen. Viele Menschen merken ab einem Alter über 50 jedoch, dass Lernen etwas länger dauert. Deshalb sollte es in Lernphasen möglichst wenig Ablenkung geben. Die Zeiten, in denen man konzentriert an einer Aufgabe arbeiten kann, werden kürzer. Professor Korte bestätigt aber auch, dass Lernen in hohem Maße von der Unternehmenskultur abhängt. In seinen Untersuchungen schnitten Ältere signifikant besser ab, wenn sie respektvoll behandelt wurden. Wertschätzung steigert die Lernbereitschaft und die Leistungsfähigkeit. Wenn Mitarbeiter nie gefördert worden sind, Neues zu erproben, finden viele es anstrengend, etwas Neues zu lernen, und verweigern sich.

Lernen ist generell keine Frage des Alters, sondern der Lern- und Entwicklungsbiografie jedes Einzelnen. Die stärkste Bestätigung für ihre Lernfähigkeit und ihren Lernwillen liefern allerdings die Älteren selbst. Immerhin sitzen mittlerweile nach Schätzungen des Akademischen Vereins der Senioren in Deutschland (AVDS) rund 55.000 Ältere zum Studium oder als Gasthörer in einer der mehr als 50 deutschen Universitäten und Hochschulen mit Bildungsangeboten für die älteren Generationen. Das deutsche Statistische Bundesamt meldete, dass sich dieser Anteil seit 1997 beinahe verdoppelt hat. Das mit Abstand beliebteste Fach ist seit Jahren Geschichte, gefolgt von Philosophie.

Teil 1 erschien am 24. April 2019 in BZ-Nachrichten.

Autor Helmut Muthers

Seit mehr als 17 Jahren fokussiert sich Helmut Muthers auf die Chancen der gesellschaftlichen Alterung und den Unternehmenserfolg bei älteren Kunden und Mitarbeitern. Er gehört zur älteren Generation und kennt die Folgen der demografischen Veränderungen aus exakt dieser Perspektive.

Mit mehr als 1.600 Auftritten gehört Helmut Muthers zu den gefragtesten Rednern mit Themen wie „Sie brauchen keine neuen Kunden. Nehmen Sie die Alten.“ und „Die Mitarbeiter werden grau! Na und? Abschied vom Jugendwahn in der Personalpolitik.“

Helmut Muthers ist Betriebswirt, war Bankvorstand und Sanierer mittelständischer Banken. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT für Strategisches Chancen-Management. Er ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz des Bundesverbandes Initiative 50Plus e.V. und Expert-Member des Club 55 (europäische Gemeinschaft von Marketing- und Verkaufsexperten).

Helmut Muthers ist Autor, Mitautor und Herausgeber von 24 Fach- und Hörbüchern, unter anderem „Ab 50 ist man alt… genug, um zu wissen, was man kann und will“, „30 Minuten Marketing 50+“, „Wettlauf um die Alten“.

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