Wenn Männer und Frauen das gleiche tun, ist es längst nicht dasselbe! – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten

Frankfurt 09.10.2016 Casting zur Miss 50 Plus Germany in der Kosmetikschule SchŠfer in Frankfurt. Diese Ladies wolle Miss Germany werden: Renate Zott Foto: Vincenzo Mancuso

Eins der wunderbarsten Beispiele dafür ist das schöne Klischee vom Einparken. Während Männer es unbeachtet einfach tun unterstellt man Frauen, dass sie es weniger gut draufhaben. Lustig, zu beobachten, wie einen männliche Augenpaare verfolgen, wenn man als Frau eine Parklücke ansteuert. Oder Männer gar übereifrig und ungefragt ihre Hilfe anbieten und sich wild gestikulierend, kurbelnd und lotsend so nah ans Auto stellen, dass die Einparkhilfen sirenengleich durchheulen und „Frau“ nur ihrer guten Erziehung wegen charmant darüber hinweglächelt. Oder auch, weil Lächeln manchmal Methode ist.

Frauen können meist mehr als nur einparken

Und überhaupt lernen Frauen früh, weniger zu widersprechen. Während man Männern selbstverständlich zugesteht, dass sie ihren Standpunkt vertreten, lassen Frauen Situationen oft weiterlaufen, obgleich sie Unbehagen verspüren; wehren sich weniger vehement, auch wenn sie nicht einverstanden sind. Frauen nehmen überdies hin, dass sie für gleiche Arbeit weniger Geld verdienen und ihr Anteil an unbezahlter Sorgearbeit in aller Regel höher ist. #metoo lässt grüßen – und ja wir haben Gleichbehandlungsgesetze, aber es fehlt an der Durchsetzung. Frauen, die sich lauthals wehren gelten als unbequem. Mehr noch: anstrengend. Ich wünschte mir, es wären mehr.

Mehr, die darauf bestehen, dass man sie hört und ausreden lässt, anstatt zu tolerieren, dass wichtige Anliegen einfach weggewischt werden. Mehr, die genug Selbstbewusstsein mitbringen und keinen Zweifel daran lassen, was ihnen wichtig ist.

Mein Weg war nie angepasst – ich gehe ihn trotzdem

Ich selbst habe früh angefangen, die tradierten, weiblichen Pfade zu verlassen, ohne dass ich mir dessen überhaupt bewusst war. Als mir im Alter von 22 Jahren die Position der Geschäftsführung in einem kleinen Unternehmen angeboten wurde, musste ich einfach „JA“ sagen. Ich wäre ja auch verrückt gewesen, es nicht zu tun. Beseelt war ich vom Vertrauen, dass man in mich setzte, euphorisiert von den Aufgaben, dieses kleine Unternehmen zu führen und voranzubringen. Nach Arbeitszeiten brauchte mich niemand fragen, war es doch wie mein Baby und Babys sind schließlich immer Nummer 1.

Die Bedenken kamen damals nur von außen und Fragen. Ob ich mir meiner Verantwortung bewusst wäre, ob ich wisse, welche private Haftung mir im Fall einer Insolvenz drohe und vieles mehr. Wenige, die in verhaltener Weise applaudierten oder mir ihren Zuspruch signalisierten, von Stolz oder Lob ganz zu Schweigen. Ich bin überzeugt, ein Mann hätte es einfacher gehabt. Ach was, man hätte ihn dafür gefeiert.

Zur Arbeit am Wandel des Altersbilds gehört selbstverständlich auch der Laufsteg

Einige Jahre später: Mein Sohn war 4, ich 30 und mein damaliger Mann hatte sich in eine 18Jährige verliebt. Das passiert schon mal – aber mir?! Hatte ich doch mit allem gerechnet, aber nicht mit diesem selbstgemachten Horror. Da gab es wenig zu überlegen, im Drang, unsere Leben zu retten und eine eigene neue Burg für uns zu bauen. Meinem Ex hinterherzubetteln war für mich nie eine solide Alternative.

Mittlerweile selbständig kämpfte ich mich aus den Schulden der Ehe und engagierte ein Au-pair für die Fehlzeiten der städtischen Kinderbetreuung. Zwar hatte mir niemand Hilfe angeboten, aber nun rollten die Augen. „Eine gute Mutter gibt ihr Kind doch nicht in fremde Hände. Also wie kann man nur!“ Und ja, FRAU kann vieles, wenn fremde Taschen keine Option sind. Dabei habe ich nur selbständig gehandelt, war mutig, unerschrocken und beharrlich genug, es alleine für uns zu schaffen. Für mein Umfeld war ich nun gänzlich aus der Rolle gefallen: Zu kühl, zu strategisch, scheinbar emotionslos. Alles Eigenschaften, die man an Männern bewundert und an Frauen fürchtet. Anders und unbequem. Ein Mann wäre in meiner Rolle ein Held gewesen. „Unglaublich wie der das bloß alles schafft“ – die passenden Stimmen dazu.

Aber Heldin kann man eben nicht sein, wenn man neben den einstudierten Ideen, wie etwas sein müsste, lebt. Dabei habe ich nur das mir zugedachte Korsett verlassen und ich denke nicht daran, nun angepasst in die Unsichtbarkeit des Alters zu kriechen, wenn ich heute dafür kämpfe, dass sich das Altersbild der Frau ändern muss.

Präsenz und Raum muss dafür her, um zu zeigen, dass wir weit mehr können, als gut einparken.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im BZ-NachrichtenTV:

 

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