Wer will eigentlich die Welt retten? – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten

Seit Jahren trennen wir zu Hause unseren Müll und finden das völlig normal. In der Mülltonne vom Nachbarhaus ist das anders. Zum Xten Mal verweigert das zuständige städtische Entsorgungsunternehmen die Leerung, weil falsches Zeug drin ist. Brauchen Bürger jetzt Nachhilfe in >Wie-geht-Müll-Entsorgung-richtig<?!

Ich habe seit etwa 20 Jahren das gleiche Spülbecken mit der gleichen Armatur und … man staune: ich spüle noch immer darin. Klar kann man sich auch mal neu einrichten, aber zum Glück hat das schöne alte Teil keine vorgeschriebene Lebensdauer und deshalb darf es auch noch bleiben 😊. Ganz anders bei Maschinen und Haushaltsgeräten.

So etwas Einfaches wie ein Wasserfilter beispielsweise, hat eine batteriebetriebene Zeitanzeige, damit man immer gleich sehen kann, wann der Filterwechsel wieder dran ist. Batteriewechsel? Geht nicht. Nach 2 Jahren Schrott, jedenfalls laut Anzeige, also keine mehr. Trick 17: der Termin für den 4wöchigen Filtertausch steht jetzt in meinem Kalender und Frau B. darf immer noch filtern, jedenfalls bis auf weiteres.

Ausgetrickst hat mich kürzlich allerdings mein Tintenstrahldrucker nach 5 Jahren treuer Betriebszugehörigkeit. Ich finde 5 Jahre verbinden. Man kennt sich. Die Macken, schlechte Tage mit mieser Druckqualität, aber auch die guten Tage mit schönen Ausdrucken. Davon hatten wir reichlich und ich dachte, das könnte einfach so bleiben. Aber Pustekuchen, irgendwann kamen die Blätter so weiß raus, wie ich sie reingelegt hatte – trotz reichlich Tinte. Verflixt, das kann doch nicht sein, dachte ich und tat, was man tun muss. Tinte wechseln, fleissig alle Reinigungsprogramme rauf und runter durchlaufen lassen, gut zureden. Nach einem gefühlten halben Tag Zeitverschwendung gab ich motzig auf und schleppte das Teil zur Reparatur. Schließlich hatte ich ihm nichts getan. Im Gegenteil. Gehegt und gepflegt in all‘ den Jahren. Ich hoffte also auf Wiederbelebung.

Keine Chance erklärte mir der freundliche Herr, der mein Anliegen durchaus verstand und mir trotzdem zu verstehen gab, dass solche Geräte mit Lebensdauer ausgestattet sind. Seine war nun leider abgelaufen. Exitus – Neukauf. Wirtschaftsinteressen vor Umwelt kann ich da nur sagen. Und kein Mensch ändert das.

Ändern tut auch keiner, dass außer Plastik tonnenweise Essensabfälle ins Meer gekippt werden. Jedenfalls wird das auf den Malediven so praktiziert. Da fragt man ganz naiv einfach mal so nach, wie die vielen Speisereste der Luxus-Ressorts entsorgt werden und bekommt als Antwort: Fischfutter. Ganz ohne rot zu werden. Und zu Hause mache ich mir Gedanken, dass ja keine Ecke Brot verschimmelt, probiere, ob der Joghurt hinten rechts im Kühlschrank noch geht, obwohl er schon 2 Wochen drüber ist. Geht’s eigentlich noch?!

Apropos Reiselust und fliegen. Kennen Sie den? Drei schwäbelnde Alt-Hippies wollen auf ein Festival nach Marseille und streiten sich über die beste Route: die eine kostet zu viel Maut, die andere zu viel Sprit. Nach einigem hin und her geht die Tochter dazwischen: „Warum fliegen wir eigentlich nicht?“ Die Botschaft: kostengünstig und kraftstoffsparend mit dem Flugzeug reisen, ergo „Fliegen ist das neue Öko.“ Kein Witz, sondern Werbung vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft aus 2016. Kann man sich besser blamieren? Aber so ist das. Vielfliegen liegt im Trend, Schmutz hin oder her. Die Schweden halten dagegen und wollen den Klimakiller mit „Flugscham“ retten. Derweil ist Peking fleißig und will in absehbarer Zeit 200 Millionen Menschen pro Jahr durch einen neuen Airport der Superlative schleusen. Jeder macht was er kann und will. Am besten mit reichlich Gewinn.

So auch der mächtigste Mann der Welt, Donald Trump. Neben anderen Dingen leugnet er den Klimawandel einfach ganz weg und puscht die Kohleindustrie, aus der wir am liebsten schon gestern aussteigen woll(t)en. America first, die Umwelt kommt später – irgendwann.

Irgendwann wollen wir auch schaffen, dass unsere Meere wieder sauberer werden. Eine Menge Wissenschaftler und Forscher arbeiten täglich an Lösungen. Denn Wasser ist Leben – ohne Wasser kein Leben. Jeder Deutsche verbraucht täglich rd. 130 Liter davon. Die Qualität ist so gut, dass wir aus unseren Leitungen trinken können. Jeder weiß, dass sauberes Wasser an vielen Orten unserer Welt schon heute Mangelware ist, weil unsere Seen, Flüsse und Meere als Müllabladestelle missbraucht werden. Und ich denke dabei an eine Frau, die am Ufer des Mekong ihre langen schwarzen Haare und ihre Wäsche wusch. Keine 200 Meter entfernt kippten arglose Maler ihre bunten Farbreste in großen Eimern aus und die farbige Schlacke nahm Kurs auf die Frau mit dem schwarzen Haar. Ist das färben 4.0?!

Ich bin überzeugt, jeder weiß, was die Stunde geschlagen hat. Nicht ohne Grund gehen unsere Kinder auf die Straße. Dass sie die Welt ernsthaft retten wollen, nehme ich ihnen ab. Dass wir es schaffen werden, nicht. Jedenfalls nicht, solange Wirtschaftswachstum und Umweltschädigung in diesem absurden Maß aneinander gekoppelt sind.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im BZ-NachrichtenTV:

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