Wir fahren mit der Bahn. – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten

Frankfurt 09.10.2016 Casting zur Miss 50 Plus Germany in der Kosmetikschule SchŠfer in Frankfurt. Diese Ladies wolle Miss Germany werden: Renate Zott Foto: Vincenzo Mancuso

Nein, am vergangenen Mittwochmorgen fuhren wir nicht. Natürlich kann man die Interessen verstehen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass unser Mitarbeiter nicht befördert wurde und unsere Kunden länger als geplant und vereinbart warten mussten. Warten heißt bei unseren Kunden dieser Tage warten auf Wärme, oder anders gesagt: warten auf die heiße Dusche und es in der Bude schön kuschelig haben, schließlich ist bald Weihnachten. Da kommt es nicht so gut, wenn einer doch kalt duschen muss, kleine Kinder frieren oder Gäste mit Frostbeulen nach Hause gehen. Unsere Kunden schätzen nämlich besonders, dass unser Service funktioniert und überdies auch noch pünktlich. So ein Streik ist da hinderlich: den Mitarbeiter an der Bahnstation abholen, alle Kunden vom Tag anrufen – der Zeit hinterher sein. Es reicht für das eigene Nervenkostüm durchaus, dass die Straßen in diesen Tagen überlaufen und man zwischen kältegeplagten Kunden nur im Stau steht.

Torsten Zott und sein Mitarbeiter

In solchen Momenten stellt man sich gerne so kleine Flugtaxis vor oder Bahnen, die unbemannt fahren. Am besten gleich mit technischer Assistenz für Fahrkartenkontrolle und was man sonst noch braucht. Nun, soweit sind wir noch nicht.

Unterdessen verliert der öffentliche Verkehr weiter Sympathiepunkte und lässt Pendler und Reisende mit bezahlten Tickets buchstäblich auf der Strecke stehen. Eine attraktive Verkehrsleistung ist das nicht. Auch nicht das, was man verlässlich, schnell, sauber und pünktlich nennt. Die Begeisterung geht aus, wenn man für schlechte Qualität auch noch viel Geld zahlt. Vielleicht muss man einfach mehr zahlen, um eine vernünftige Leistung zu bekommen. Möglicherweise muss man eingestehen, dass Qualität seinen Preis hat und die Schraube des Gewinns nur Verlierer kennt, wenn sie überdreht wird. Diese Frage stellt sich nicht nur bei der Bahn, sondern grundsätzlich. Aber die streikt halt gerade.

Renate Zott unterwegs mit dem ICE

Jahrelang hat man die Personalschraube zwecks Effizienzsteigerung nach unten gedreht, wenig motivierende Gehälter gezahlt und nun stellt man fest, dass einem die Arbeitskräfte ausgehen und die Verbliebenen streiken und Löhne einfordern, von denen man leben kann. Eine Reinigungskraft der DB sagt in einem TV Interview, dass sie für ihre Ganztagsstelle 1.300 EUR netto bekommt, mit Schichtdiensten 1.500 EUR. Zurecht hat sie Angst vor der Rente, denn auch sie weiß, dass es nicht reichen wird. Auch dann nicht, wenn sich die Tarif-Parteien verständigt haben – das nur ganz nebenbei.

Gewinnorientierte Unternehmen machen das eben so und merken scheinbar gar nicht, wenn der Zug in die falsche Richtung fährt. Der von der Deutschen Bahn ist wohl abgefahren. Denn Züge fallen nicht nur streikbedingt aus. Es genügen bereits banale Ursachen wie krankheits- oder unfallbedingte Ausfälle von einzelnen Mitarbeitern, dass Züge nicht fahren können, weil der Ersatz fehlt. Von welchen (Abstell-) Gleisen man die in Zukunft zaubern will, wird auch den hervorragend bezahlten Personalern in der Zugspitze ein Rätsel sein. Hat man es doch jahrzehntelang versäumt, mit attraktiven Ausbildungsstellen für Nachwuchs zu sorgen. Die kleine-Jungen-Träume vom Lokführer sind nämlich längst ausgeträumt. Wie kann man so Menschen und Waren locken, auf die Bahn als Transportmittel zu setzen?

Blanker Irrsinn zu glauben, dass das ist, was man eine effiziente Personalpolitik nennt und mit der demografischen Entwicklung auch so gar nichts zu tun hat. Wir sind angekommen an den Vorläufern des demografischen Wandels von dem viele glauben, dass es so schlimm schon nicht werden wird.

Wenn wir weiter versäumen, die Weichen zu stellen, kann der Zug, in dem alle sitzen, schneller entgleisen, als wir uns das heute vorstellen können oder wollen. Nicht anders in einer Reihe von anderen Bereichen. Da liegt es nahe, z. B. an unser Bildungs- oder Gesundheitswesen zu denken oder auch an die Handwerkerschaft. Überall da, wo wir Technik in absehbarer Zeit nicht soweit haben, menschlichen Einsatz mehr zu unterstützen oder abzunehmen, werden wir zu spüren bekommen, dass uns die Arbeitskräfte ausgehen. Schließlich ist der Prozess der Bevölkerungsalterung irreversibel und das Stellwerk darauf beschränkt, wie wir in Gesellschaft und Politik damit umgehen.

Ich bin überzeugt, unsere Gesellschaft wäre gut beraten, in den Zug des demografischen Aufbruchs (https://www.demografischer-aufbruch.de/) mit einzusteigen, den der Bundesverband Initiative 50Plus mit einer Vielzahl von Ideen und Vorschlägen aufs Gleis gestellt hat. Denn es braucht mehr Menschen, die sich verantwortungsbewusst kümmern, die Demographie-Debatte Deutschland (https://www.bz-nachrichten.de/demografie-debatte-deutschland-gelungener-auftakt-in-berlin-impressionen/) voranbringen und an Lösungen arbeiten.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im BZ-NachrichtenTV:

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