Wir haben die Wahl. – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten

Genau, die Europawahl. Und auch mein Appell an die Menschen kann nur sein: Leute geht heute wählen, denn es geht am heutigen Sonntag um nicht weniger als den Fortbestand des Zusammenschlusses von – bis dato noch – 28 europäischen Staaten.

Zusammengetan hat man sich vor knapp 26 Jahren, getragen von der Idee, Frieden unter den Staaten zu wahren und auf den unterschiedlichsten Ebenen und Bereichen durch Zusammenarbeit und Zusammenhalt Stärke zu entwickeln, durch Freizügigkeit gegenseitig zu profitieren.

Üblicherweise ist man 26 Jahre nach der Geburt im besten Alter. Jung genug um voller Tatenkraft im positivsten Sinne zu sein, aber auch schon reif genug, Probleme zu lösen und sich größeren Aufgaben zu stellen. Kurz: jung, dynamisch, erfolgreich. Von der EU kann man das so nicht sagen, sie strauchelt und kränkelt und befindet sich in einer Identitätskrise, die man nicht unterschätzen sollte. Nur ein Schnupfen ist das nicht.

Dabei kann man bei aller Kritik konstatieren, dass die EU eine Menge geschafft hat. Zum Beispiel: Kein Warten mehr an den Grenzen der EU. Im Winter, wenn man zum Skilaufen nach Österreich, Frankreich oder Italien wollte, war das immer super lästig. So sehr man sich auch bemühte, zu prognostizieren, wann die beste Zeit für wenig Wartezeit wäre – man wartete doch immer. Und dann tauschte man. Mark in Schilling, oder Francs oder Lira, erkundigte sich, wo und wann der Tausch am besten sei, versuchte, sich die Umrechnung einzuprägen, um wenigstens eine Vorstellung von dem zu haben, was man da bei den Nachbarn so ausgibt. Wenn man Päckchen ins nahe Ausland schicken wollte, waren Formulare auszufüllen, also nicht einfach nur Marke drauf und ab geht die Post. Junge Menschen haben es nicht erlebt und erfreuen sich an Annehmlichkeiten, die für sie zum Glück selbstverständlich sind. Sie studieren in London, Prag oder Mailand, finden Freunde dort und haben die Wahl, auch dort ihre Zelte aufzuschlagen. Abends gehen sie griechisch essen, machen Urlaub, ohne an Grenzen zu warten, tragen Mode aus Frankreich und zahlen immer mit Euro. Kosmopoliten sind sie, weltgewandt, jederzeit offen für Neues. Schön ist das. Wir, ihre Eltern, haben vergessen ihnen mit auf den Weg zu geben, dass es nicht immer so war und das Selbstverständliche besonders ist, weil wir es geschafft haben, uns mit 27 anderen Staaten auf diese gemeinsamen Standards und diese Freiheit und Freizügigkeit zu verständigen. Sie sollten diese Idee nun weitertragen und entwickeln und vor allem eins: Am heutigen Sonntag wählen gehen.

Es gibt nämlich durchaus Mächte und Menschen, die nichts unversucht lassen, an dem zu rütteln, was schon geschafft ist. Menschen, die Ängste schüren, Sicherheit & Vorteile in Frage stellen und das EU Parlament abschaffen wollen. Genau dafür wollen sich jene wählen lassen – das muss man sich vergegenwärtigen. Und was haben wir dann davon, wenn es die EU nicht mehr gibt – wenn unser mühsam aufgebauter Zusammenschluss wieder in seine Einzelteile zerfällt? Können wir uns dann sicherer fühlen, wenn wir aus dem Haus gehen? Gibt es dann weniger Flüchtlinge? Kocht dann auch jeder in globalen Fragen wieder seinen eigenen Brei? Ich bin überzeugt, dass wir gut beraten sind, wenn wir an der Idee, dass wir in Einigkeit und Austausch gemeinsam stärker sind, als es jeder für sich alleine sein kann. Insbesondere in grenzübergreifenden Fragen, wie u. a. die zu Umwelt, Demografie, Wirtschaft und Flüchtlingspolitik sollten wir es schaffen, die Verständigung zu verbessern und bürokratische Hürden abzubauen. Dabei muss sich die EU auch Kritik und Fragen gefallen lassen. Nämlich zum Beispiel, ob 34.000 Mitarbeiter in der EU-Kommission tatsächlich erforderlich sind und Entscheidungsprozesse aus Bürgersicht so aufgebläht sein müssen.

Es ist also auch aus meiner ganz persönlichen Sicht nicht alles „eitel“ Sonnenschein. Trotzdem fühle ich mich als Europäerin und alles andere als eine Weiterentwicklung der Idee von Frieden, Freiheit und Demokratie innerhalb der Staatengemeinschaft wäre für mich ein Rückschritt.

Deshalb nochmal: Leute geht wählen!

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im BZ-NachrichtenTV:

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