Wirtschaftswissenschaftler Horn: Deutsche Arbeitskosten bleiben im internationalen Vergleich gering

Arbeitskosten: Stärkere Entwicklung, doch langjähriger Rückstand ist längst nicht aufgeholt.

Durch eine stärkere Lohnentwicklung hat die Entwicklung der Arbeitskosten in Deutschland in den letzten Jahren etwas angezogen, die heute veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamts unterstreichen das. Allerdings sind damit die Effekte einer langen Schwächephase in den 2000er Jahren längst noch nicht ausgeglichen: So verzeichnete die Bundesrepublik im gesamten Zeitraum von 2001 bis Ende 2017 den drittgeringsten Anstieg bei den Arbeitskosten in der EU. Das zeigt der aktuelle Arbeitskostenreport des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Und nach der heutigen Quartalsanalyse des Statistischen Bundesamts entwickelten sich die deutschen Arbeitskosten 2018 bislang schwächer als im EU-Durchschnitt.

„Wenn die deutschen Arbeitskosten etwas stärker steigen, ist das eine gute Nachricht, wir haben sogar auch noch Luft nach oben“, sagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der wissenschaftliche Direktor des IMK. „Denn die Erfahrungen der vergangenen Jahre sind eindeutig: Deutschland geht es wirtschaftlich besser, seitdem die Fixierung auf möglichst niedrige Arbeits- und Lohnstückkosten etwas nachgelassen hat. Die deutschen Unternehmen sind international sehr wettbewerbsfähig, aber das waren sie auch vor zehn bis 15 Jahren, als sich Wachstum und Beschäftigung weitaus schwächer entwickelten als heute. Jetzt wächst die deutsche Wirtschaft robust, und das nicht trotz, sondern wegen der stärkeren Zunahme bei den Löhnen. In einem schwierigen weltwirtschaftlichen Umfeld, in Zeiten von Trump und Brexit, bleibt das Wachstum bislang in der Spur, weil privater und öffentlicher Konsum sowie Investitionen als Säulen der Konjunktur wirken.“

Diese Konstellation sei zudem eine notwendige Voraussetzung, um die weiterhin sehr großen Überschüsse in der deutschen Leistungsbilanz zu reduzieren, die viele Ökonomen, internationale Organisationen wie die OECD und ausländische Politiker kritisieren.

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