Zukunft Personal 2018 – aber bitte ohne die Alten… und ohne Migranten. – Ein Kommentar von Sascha Rauschenberger in BZ-Nachrichten

Je weiter der demographische Wandel fortschreitet, desto schneller und grundlegender ändert sich der Personalmarkt. Weg vom Arbeitgebermarkt hin zu einem Arbeitnehmermarkt (weg von Verkäufermärkten hin zu Käufermärkten) und mit ihm ändert sich alles, was bisher wie in Stein gemeißelt galt. Gerade auch und vor allem (!) gilt das für das Recruiting.

Wo bis vor ein paar Jahren geeignete Fachkräfte Schlange standen und Arbeitgeber die Qual der Wahl hatten ist es vielerorts nun so, dass gar kein geeigneter Kandidat auf Anhieb vorhanden ist. Das ist zwar branchen-, orts- und mitunter auch unternehmensabhängig, doch der Trend zeigt nun selbst für Optimisten des Gewerbes stark nach unten.

„Man könnte nun glauben, dass der vielzitierte Fachkräftemangel, und hier speziell die Ursache, nämlich der nun schneller fahrtaufnehmende demographische Wandel, ein Kernthema der Messe Zukunft Personal gewesen wäre, doch das war zu viel erwartet.“

Stattdessen versuchten es die Anbieter mit neuen Bezeichnungen für alte Ideen und allzu oft mit dem bloßen Zusatz „DIGITAL“, um zu punkten.

Weiterhin – trotz neunjährigem Boom und knapp werdenden Fach-Ressourcen – glauben scheinbar viele noch an das Wunder der unbegrenzten Vermehrung der nötigen Fachkräfte. Plauderten „Visionäre“ von Digitalisierung an sich und den neuen Möglichkeiten von KIs im HR-Geschäft das Blaue vom Himmel runter, ohne, dass es derzeit auch nur eine funktionierende und sinnvoll nutzbare KI gäbe…

Komischerweise, bei all der präsentierten Pracht wurden zwei Punkte auffällig wenig nachgefragt oder auch nur angeboten: 1. die Vermittlung und/oder Gewinnung von Migranten als Arbeitskräfte sowie 2. Arbeitnehmer der Generation 50Plus. Und das verwundert – gelinde gesagt – schon.

Inzwischen kommen CEOs aller großen Konzerne um die Ecke und reden von Fachkräftemangel, der eine Zuwanderung nötig macht. OK. Und warum werden die Servicedienstleister, die Migranten vermitteln nicht nachgefragt? Warum herrschte an deren Ständen eine fast vakuumartige Leere? Und dann gerade auch bei denen, die versuchten Migranten, die schon hier sind, zu vermitteln? Billig genug scheinen sie zu sein, sonst hätte man bis dato nicht 314.000 befristet eingestellt.

Und dann sind da die 50Plus-Arbeitnehmer, die scheinbar auch nicht nachgefragt werden. Vor zwei Jahren gab es da noch ein Start-Up, das sich auf die Vermittlung von älteren Experten via Plattform positioniert hatte. Ich habe mal nachrecherchiert… die gibt es nicht mehr. Und daher war das Thema „Senioren am Arbeitsmarkt“ eben auch kein Thema… Trotz deren guter Qualifikation, Erfahrung und Verfügbarkeit.

Wenn wir nun diese zwei Punkte parallel betrachten und mit der Forderung nach mehr Fachkräften in Einklang bringen wollen, dann bleibt nur ein möglicher Schluss. Und das ohne Sherlock Holmes zu sein:

Die eingewanderten Facharbeiter taugen in der Masse bestenfalls für Jobs mit niedriger Qualifikation und sind daher auch billig genug. Nur scheitern sie zunehmend an den steigenden Qualifikationsbedarfen der Wirtschaft. Das macht sie für die Industrie 4.0 ungeeignet.

Anders die 50Plus-Generation. Sie ist hochqualifiziert aber zu teuer, um interessant zu sein. Und das schließt sie automatisch von dem aus, was man als Arbeitsmarkt ansehen kann.

Wenn also Wirtschaftsführer nach Fachkräften schreien, dann meinen sie eigentlich billige Fremdarbeiter mit möglichst so hoher Qualifikation, dass man auf andere Mitarbeiter, die teurer sind, verzichten kann.

Aber als Kunden wird natürlich die „Silver Generation“ geschätzt. Als Umsatzbringer. Und natürlich als Beitragszahler für die Sozialkassen, gern auch über 47 Beitragsjahre hinaus. Nur halt nicht im eigenen Unternehmen beschäftigt, sonst aber überall gerne…

Dass diese Sicht der Dinge aus Wirtschaft und Politik Folgen hat, merken zunehmend die Betriebsräte, die unter Druck kommen. So beschwerte sich der Gesamtbetriebsrat bei Daimler, dass rechte Parteien an Einfluss gewinnen und zunehmend Betriebsräte stellen. Man bat den CEO sogar um Hilfe…

Könnte hier ein ursächlicher Zusammenhang bestehen? Dass die Belegschaften diesen logischen Spagat – ich will das Wort Heuchelei vermeiden – erkannt haben und reagieren?

Nachfrage schafft Angebot und Angebote ohne Nachfrage fallen aus dem Markt. Wenn der Satz richtig ist, was heißt das dann für den Arbeitsmarkt wenn die ZP18 als Indikator anzusehen ist?

Egal was es heißt; es heißt wahrlich nichts Gutes für unser Land!

Der Autor Sascha Rauschenberger

Sascha Rauschenberger, geboren 1966 in Wattenscheid, ging nach dem Abitur zur Bundeswehr, wo er als Panzeraufklärer und Nachrichtenoffizier Dienst tat. Er diente, unter anderem als Reservist, in vier Auslandseinsätzen, zuletzt als Militärberater in Afghanistan.

Seit 2000 ist er als Unternehmensberater im Bereich Projektmanagement und Arbeitsorganisation (Future Work) tätig.


Fotoquelle: Yusuf Simsek: „Aufbruch“ http://simsek.ch/

 

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