Zwischen Weihnachtsgans und Hysterie. – Auf der Suche nach Antworten. – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten

Alle Jahre nehme ich mir vor, ich mach‘ da nicht mehr mit und dann mach‘ ich es doch wieder.

Es ist wie es ist:

Kistenweise die Deko aus dem Keller raufschleppen und die ganze Bude auf Weihnachtsglanz trimmen. Hier ein Licht und da noch ein Stern, man will sich ja nicht sagen lassen, man hätte es zu Weihnachten nicht schön gehabt. Und natürlich rennt man auch in die Stadt, steht an vollen Parkhäusern und Kassen mit genervten Menschen Schlange, um sich dann mit den Habseligkeiten vollbepackt durch die Massen seiner Leidensgenossinnen und -genossen zu drängen. Von wegen Besinnlichkeit. Schließlich schenken wir Freude und die will pünktlich und glanzvoll verpackt unter dem Baum sein. Ist zwar nicht so, dass es in den restlichen 11 Monaten vom Jahr nichts zu kaufen gäbe, aber alle guten Vorsätze – „im nächsten Jahr wird alles anders“ – scheiterten – zumindest bei mir – bislang kläglich. Aus irgendeinem blöden Grund hatte ich mir im Sommer doch nicht überlegt, was wer bekommen soll. Lag wohl an der Hitze.
Sicher gibt es sie, die wunderbar organisierten Menschen, die mal eben am 24. Freunde zum gemütlichen Weihnachts-Brunch einladen und am Abend on top die Familie bewirten. Noch gehöre ich nicht dazu. Diese Menschen schaffen es auch, schon im Oktober alles festlich verpackt, mit Namenszettelchen in Engelsschrift beklebt und vor gierigen Familienmitgliedern perfekt versteckt zu haben. Da braucht es keinen, der einem noch schöner vor Augen führt, dass man eigentlich nichts auf die Reihe kriegt, während unsereins kurz vorm Kollaps steht.

Was heißt hier „Stille Nacht, heilige Nacht“?! 

Für viele ist Weihnachten am Belastungslimit und das nicht erst seit gestern. Gibt man bei Google Weihnachten und Stress ein, kommt man auf ungefähr 19.300.000 Ergebnisse – sprich: es gibt noch ein paar mehr, für die die Festtage ein Stresstest sind. Alleine bin ich auch nicht mit all‘ den Einladungen und Vorhaben, die in den letzten 4 Wochen vom Jahr auf dem Zettel stehen. Wie z.B.: sich im alten Jahr nochmal treffen, um in der Adventszeit einen gemütlichen Abend gemeinsam zu verbringen. Weit weg von gemütlich schiebt man sich dann hinter Betonbarrieren und Sicherheitsabsperrungen mit all‘ den anderen Vorweihnachtsgetressten zwischen den Buden hin und her und kann sich den Frust mit klebrig-süsser Plörre wenigstens kollektiv für einen Abend wegspülen. Zudem jammert es sich schöner über die sinnlose Konsumschlacht im Schulterschluss mit Verbündeten. Ohne Tasche versteht sich, denn die könnte ja dann weg sein. Am nächsten Morgen arbeitet es sich nicht ganz so schön mit zu wenig Schlaf, ‚nem dicken Schädel und der Endlosliste der >to dos<. Schließlich kommt nicht irgendein Fest neben dem Jahresendgeschäft daher, nein es geht immerhin um Weihnachten.

Und da werden wir Frauen scheinbar jedes Jahr noch ein bisschen kreativer – die Dekoläden freuen sich. Selbstverständlich auch die Feinkost-Tempel, wo die Zutaten fürs Festmenü bestellt werden. Natürlich schon Wochen vorher, denn die Angst vorm bösen Wort „ausverkauft“ treibt an. Tischreservierungen im Restaurant für die Feiertage sprichst du im besten Fall schon Anfang des Jahres aus – sicher ist sicher.

Ambitioniert bis in die Filetspitzen will man es der Familie in jeder Hinsicht recht machen. Heute bedeutet das, auch sämtliche Allergien & Intoleranzen abzufragen und zubereitstechnisch zu beherrschen. Nicht, dass die Schwiegermutter schon beim ersten Biss angeekelt das Gesicht verzieht oder kulinarisch gelangweilt auf ihrem Teller rumstochert.

Wer bis dahin gut durchs weihnachtliche Programm gekommen ist, darf hoffen, dass auch die Bescherung ein letzter erfolgreicher Akt am Heiligen Abend wird. Warum sonst hat man schlaflose Nächte damit verbracht, ein ungeahntes Konsumloch bei der Schwester der Cousine zu entdecken, um jenes glänzend zu stopfen.

Back to the Roots

Es endet, wo es enden muss. Bei Gedanken, dass dieses Theater nicht Weihnachten ist. Abgenutzt und ausgenommen – zum Event verkommen. Ein Fest; eine Tradition, der wir die Seele geraubt haben und dabei selbst sehnen. Nach Stille und Rückzug und das, was wirklich zählt im Leben. Darüber hätte ich eine ganze Menge zu erzählen – ein andermal.
Die Zeit drängt, der Schreibtisch ist voll und ich muss nochmal in die Stadt – brauch‘ noch was für Weihnachten.

Na ihr wisst schon…

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im BZ-NachrichtenTV:

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